Ein Tag am Bolsenasee

Am 5.Maerz 2016 hat sich eine Bloggergruppe Italiens am Bolsenasee versammelt um seine Sehenswuerdigkeiten bekannt zu machen.
Der Bolsenasee ist der groesste Vulkansee Europas und hat zwei Inseln.

bolsenasee
Ph S. Morlupi
Er ist bei deutschen Badegaesten beliebt und wird natuerlich besonders im Sommer besucht.

Nur wenige seiner Gaeste wissen aber wieviele archaeologische und architektonische Schaetze sich rund um den Bolsenasee befinden.

Ganz oben auf der Liste steht das „Fanum Voltumnae“, das politische und religioese Zentrum der Etrusker. Es bedindet sich mit grosser Wahrscheinlichkeit in der Naehe des Bolsenasees. Hierzu gibt es mindestens drei Vermutungen.
Die erste Hypothese, vielleicht auch die bekannteste, behauptet, dass das „Fanum“, wie es manchmal auch abgekuerzt genannt wird, sich bei Orvieto, also schon auf umbrischer Seite befaende, in der Lokalitaet „Campo della Fiera“.

Die beiden anderen Behauptungen schlagen Orte am Bolsenasee vor.
Demnach befaende sich das Fanum entweder bei Bolsena oder auf dem Monte Landro, kurz hinter dem Staedtchen S.Lorenzo Nuovo.

Allein daraus kann man schon schliessen, wie dicht besiedelt die Gegend rund um den Bolsenasee in etruskischer Zeit gewesen sein muss.
Aber nicht nur die hochstehende, tiefreligioese und raffinierte Kultur der Etrusker hat hier ihre Spuren hinterlassen sondern auch die Roemer und die Longobarden. 

Von grosser Bedeutung war der Landstrich rund um den See auch zur Renaissancezeit, von der nahen Toskana beeinflusst. Die stilistischen Stroemungen des Grossherzugtums wirkten sich bis auf die Tuscia aus und viele Kuenstler der Toskana erhielten Auftraege von Adeligen und Klerikern.

Hervor sticht Antonio da Sangallo, dessen Architektur den noerdlichen Teil des Latiums entscheidend mitgestaltet. Sein erster Bau ist der Palazzo Farnese von Gradoli gewesen. In ihm befindet sich das Museum der Historischen Kleidung der Familie Farnese.
Das Museum, dass sich in Antonio da Sangallo’s Jugendwerk befindet, weist nicht nur eine interessante Sammlung von Kleidung der Aristokrazie des 16.Jahrhunderts auf sondern hat auch eine Reihe von zeitgenoessischen Fresken zu bieten.

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Ph S. Morlupi

Darueber hinaus befinden sich auch verschiedene Ruestungen, Waffen, Maschienen zur Woll- und Hanfverarbeitung, ja selbst das Marionettentheater der Kinder im Palazzo Farnese.
All das haben wir Blogger reichlich dokumentiert mit Fotos, Artikeln in den verschiedenen Social Media, Webseiten und Blogs. Einige Berichte haben wir direkt waehrend der Besichtigungen veroeffentlicht.
Gradoli ist auch fuer seinen Likoerwein Aleatico Dop und eine Bohnenart, die sich ebenfalls durch eine geschuetzte Herkunftsbezeichnung auszeichnet, bekannt. Hier gibt es auch ein Aschermittwochsessen, das seit mindestens 500 Jahren von einer Bruderschaft auf offenem Feuer zubereitet wird.

Bevor wir nach Gradoli gefahren sind, waren wir in Capodimonte, direkt am Seeufer gewesen.
Auch in dem Ort Capodimonte bedindet sich ein sehenswertes Museum. Die genaue Bezeichnung des Museums lautet: Museum der Schifffahrt der Binnengewaesser.

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Das wichtigste Ausstellungstueck ist ein vorgeschichtlicher Nachen. Er wurde in der Naehe der Isola Bisentina geborgen. Die traditionelle Herstellung der Boote, die bis vor wenigen Jahrzehnten noch gebrauechlich war, geht wahrscheinlich auf die Etrusker zurueck. Heute sind die meisten Boote der Fischer leider aus Kunstharz aber der letzte Bootszimmerer hat seine Handwerkskunst in Fotos, Filmen und Erzaehlungen festgehalten.

Nachdem wir diese beiden Museen besichtigt und direkt dokumentiert haben, fuehlten wir uns reif fuer einen ersten Kontakt mit den einheimischen Produkten.

museocapodimonte
Ph S. Morlupi
In der Naehe von Capodimonte ist eine eingetragener Verein taetig, der unter anderem auch traditionelles Brot herstellt, mit einer antiken Getreidesorte.

Das Brot, dass mit dem sogennanten roten, antiken Weizen hergestellt wird, ist eindeutig bekoemmlicher, da es weniger Glutein beinhaltet. Die Mitarbeiter von „La Bella Verde“ bereiten aber auch Gebaeck und Pizza sowie verschiedene andere Produkte zu.

Es war interessant und nett, sie zu besuchen zu diesem Brunch. Danach hat Laura Patara, die die Idee fuer unsere Blogtour hatte, uns in ihr Ferienappartment in Capodimonte eingeladen, um dort einen zuenftigen Mittagsschmaus mit den bekannten Bohnen von Gradoli und einheimischer Metzgerware zuzubereiten und bei Kaminfeuer zu verzehren.

Den Nachmittag haben wir bei S.Lorenzo Nuovo verbracht.

In der Naehe der Ortschaft befindet sich eine Reihe von Nekropolen, die von den Etruskern in den Lavastein eingegraben worden sind.

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Ph S. Morlupi
Ph S. Morlupi

Wir haben die Graeber der Nekropole von Maccarino besucht. Auch hier ist auffaellig, wie die Gestaltung der Graeber bewusst die Architektur der Behausungen der Lebenden nachahmt. Im Inneren eines solchen monumentalen Grabes befindet sich als Relief unter anderem auch der Deckenbalken angedeutet.

Wahrscheinlich stehen diese Nekropolen in engem Zusammenhang mit dem „etruskischen Zauberberg“, dem Monte Landro, der sich ganz in der Naehe befindet und auf dem die hochinteressanten Ausgrabungen weitergehen.

Dieser Tag in der Tuscia wird uns Allen noch Lange in Erinnerung bleiben.